Ich Quadrat

Heute habe ich in der ZEIT schon wieder einen Artikel zum Thema Konsumentenverantwortung für das Abbremsen des Klimawandels gefunden. Und im Fokus des Artikels, und der Kommentare, steht wieder einmal die Frage, was denn dieser Konsumentenverzicht überhaupt bewirke. Diese Diskussion geht völlig am Thema vorbei. Wenn jemand  eine öffentliche Toilette wie einen Schweinestall hinterlässt, gilt ja auch nicht das Argument: Wenn ich das nicht mache, macht es halt ein anderer. Man tut so etwas einfach nicht und es ist eine Frage des Anstands, wie man mit öffentlichen Einrichtungen umgeht.

Bringt es dem Klima etwas, wenn die Einzelne um jeden Flug mit sich ringt und bei einem verlorenen Kampf zumindest eine CO2 Ausgleichsmaßnahme zahlt? Bringt es etwas, wenn ein Mensch seinen Fleischkonsum um70% reduziert? Oder auf seinen Heiz- und Warmwasserbedarf schaut? Zunächst ist das mal völlig egal! Es ist auch hier eine Frage des Anstands, dass jeder Einzelne versucht, seinen Beitrag zum Schutz vor weitere Schädigungen unseres Klimas und unserer Umwelt zu leisten. Und natürlich soll der Beitrag nicht in einem vollständigen Verzicht bestehen. Man muss realistisch bleiben. Aber man kann von jedem Mitmenschen erwarten, dass er versucht, negative Auswirkungen seines Handelns auf andere und auf zukünftige Generationen zu vermeiden. Steht sogar im Grundgesetz. 

Aber irgendwie sind wir in der Ich2-Gesellschaft angekommen. Mit den freiheitlichen Grundrechten wird jedes Anliegen, das auch nur entfernt mit gesellschaftlichen Pflichten zu tun haben könnte, aus dem Spielfeld geschlagen. 150 Jahre Kapitalismus haben die Grabbeltisch-Mentalität fest in unserer Gesellschaft verankert. Ehe man auf Annehmlichkeiten oder Spaß verzichtet, werden bei jedem Blick in den Spiegel einfach die Augen verschlossen: Man könnte ja ein Problem haben mit dem, was man dort sieht. Aber es geht nicht nur um schlechtes Gewissen. Es ist verloren gegangen, dass Verzicht um einer guten Sache willen eine Quelle tiefer Befriedigung sein kann, die nachhaltiger ist, als Glücksempfinden über ein neues Handy oder einen „guten Deal“. Die Befriedigung, etwas Gutes und Richtiges zu tun. Eine Befriedigung, die Gemeinschaft sogar noch wächst.

Und ausserdem: Der Einzelne zählt! Verantwortlich sind nicht die Unternehmen, die permanent neue Produkte herausbringen, die man nicht braucht, aber dafür nicht reparieren kann; oder Tiere als Produktionsmittel behandeln, um das Fleisch noch billiger zu machen; oder Leerflüge veranstalten, um begehrte Slots an den Flughäfen zu halten. Verantwortlich sind die Kunden, die diese Produkte und Dienstleistungen kaufen. Verweigerte Käufe senden ein Signal, dass andere Angebote gefragt werden. Sie sind ein Anreiz für die Wirtschaft, neue Angebote zu schaffen.